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DIE WEIBLICHE ZYKLEN – lebe in deiner ganzen Fülle

In den vergangenen achtzehn Jahren hat sich mein Leben in einem Rhythmus bewegt, der sich wie ein Kreis zeichnen lässt. Drei Schwangerschaften – drei Lebensabschnitte, die sich in vielem ähnelten und doch ganz verschieden waren.

Das erste Kind – Jugend, Aufbruch, Aufregung und eine Unsicherheit, in der alles neu war. Das zweite – nur zwei Jahre später – noch mitten im Laufen, im Schlafmangel, aber mit mehr Erfahrung und einer sanfteren Haltung mir selbst gegenüber. Das dritte – nach vier Jahren Pause – in einem Körper, der den Prozess bereits kannte, und in einem Bewusstsein, das sich in der Zwischenzeit verändert hatte.

Jeder dieser Abschnitte war ein Wechselspiel aus Anstrengung und Glück. Jeder brachte mir neue Erkenntnisse darüber, wie es ist, Mutter, Partnerin, Frau – und einfach ich selbst – zu sein. Jeder legte neue Schichten frei, wie bei einer Zwiebel, die rund ist wie der Mond und sich Schicht für Schicht weiter öffnen lässt, um tiefer verborgene Teile zu zeigen.

Rückblickend erkenne ich, dass das, was ich durchlebt habe, einem Rhythmus folgte. Einem Rhythmus, der nicht nur meiner ist – er ist Teil der zyklischen Natur des Lebens und spiegelt sich im Lauf des Mondes wider.

Der Kreis – vollkommene Form, ständige Bewegung

Ein Kreis ist die vollkommenste Form, die es gibt. Ohne Anfang und ohne Ende, jeder Punkt gleich bedeutsam – und doch in ständiger Bewegung. So ist auch das Leben einer Frau: Wir kehren zu vertrauten Themen zurück, aber nie an genau denselben Punkt. Wir kommen zurück – reicher an Erfahrungen, klarer im Blick, manchmal auch gelassener.

Der Mond – immer derselbe und doch täglich anders – ist seit Jahrhunderten ein Sinnbild für weibliche Zyklen. Seine vier Hauptphasen (Neumond, erstes Viertel, Vollmond, letztes Viertel) lassen sich den vier weiblichen Archetypen nach C. G. Jung zuordnen: der Weisen Alten, der jungen Frau, der Mutter und der Wilden Frau. Wie die Jahreszeiten in der Natur folgen auch diese Archetypen aufeinander und bilden einen Lebensrhythmus, der sich in vielen Ebenen wiederholt – im Monatszyklus, in Lebensabschnitten, in Übergängen, die jede von uns kennt.

Winter – die Weise Alte (Neumond)

Der Winter ist die Zeit, in der Altes stirbt und Neues im Verborgenen keimt. In einem Frauenleben steht er für Rückzug, für die Hinwendung nach innen, für den Kontakt zur eigenen inneren Weisheit. Die Weise Alte verkörpert Intuition, tiefes Wissen und den Blick für das, was nicht sichtbar ist.

Energie des Winters:

  • Abschluss und Loslassen

  • Regeneration und Ruhe

  • Innenschau und Klarheit

In meinen eigenen Lebensphasen war dies oft die Zeit zwischen zwei intensiven Abschnitten – nach Phasen des Tuns, wenn es still wurde. Der Winter lehrt uns, dass die scheinbare Leere der Ort ist, an dem Neues zu wachsen beginnt.

Frühling – die junge Frau (erstes Viertel)

Nach der Dunkelheit des Winters kommt das Erwachen. Frühling im weiblichen Zyklus ist frische Energie, Neugier, Lust auf Neues. Die junge Frau – die Jungfrau im archetypischen Sinn – steht für Aufbruch, Mut und Entdeckerfreude.

Energie des Frühlings:

  • Neubeginn, Inspiration

  • Wachsen, Lernen, Ausprobieren

  • Offenheit für neue Wege

So habe ich mich in der Zeit mit meinem ersten Kind gefühlt – wie im Frühling. Neben der Unsicherheit war da dieses aufregende Gefühl, dass eine ganz neue Welt vor mir liegt.

Sommer – die Göttin / Mutter (Vollmond)

Der Sommer ist die Zeit der Fülle, der Reife und des Gebens. In einem Frauenleben ist er die Phase des Nährens – biologisch wie auch im übertragenen Sinn. Die Mutter steht für Fürsorge, Hingabe und Kraft.

Energie des Sommers:

  • Reife und Stabilität

  • Großzügigkeit und Teilen

  • Umsetzung und Ernte

Mit meinem zweiten Kind war ich in dieser vollen Sommerphase – vertraut mit dem Alltag mit einem kleinen Kind, aber immer noch im dichten Rhythmus. Es war eine Zeit voller Liebe und Kraft, aber auch voller Erschöpfung. Die Fülle des Sommers ist kostbar, verlangt jedoch Achtsamkeit, um sich nicht völlig zu verausgaben.

Herbst – die Wilde Frau (letztes Viertel)

Der Herbst ist Zeit der Ernte, aber auch des Loslassens. Die Wilde Frau ist frei von Erwartungen anderer, lebt nach ihrer eigenen Wahrheit und trennt sich von dem, was ihr nicht mehr dient.

Energie des Herbstes:

  • Rückblick und Integration

  • Kraft aus Erfahrung

  • Bewusstes Loslassen

Meine dritte Schwangerschaft war für mich ein solcher Herbst. Ich kannte meinen Rhythmus, meine Bedürfnisse, meine Grenzen. Mein Körper wusste, was zu tun war, und mein Bewusstsein war klarer als je zuvor.


Zyklen in Zyklen

Besonders spannend ist, dass sich diese Zyklen in unserem Leben überlagern. In einem Jahr können wir im Beruf im Frühling sein, privat im Sommer und emotional vielleicht im Herbst.

Jeder Zyklus ist wie eine Schicht einer Zwiebel – vertraut und doch neu. Gerade im Muttersein wird das sichtbar: Jedes Kind wird zwar in demselben Körper geboren, aber in einer anderen Zeit, unter anderen Umständen, zu einer anderen Version unserer selbst.

Warum es Kraft gibt, im Rhythmus der Zyklen zu leben

Zyklen lehren uns, dass wir nicht immer auf dem Höhepunkt stehen müssen. Dass es Zeiten für Aktivität gibt und Zeiten für Rückzug. Dass Phasen mit weniger Energie ebenso dazugehören wie Phasen voller Tatkraft. Der Mond entschuldigt sich nicht dafür, im Neumond nicht zu scheinen – wir müssen das auch nicht tun.

Zyklisches Leben macht uns milder mit uns selbst. Es erlaubt uns, im Einklang mit dem zu handeln, was wir fühlen, und Veränderungen nicht als Niederlage, sondern als Teil eines natürlichen Prozesses zu sehen.


Über den Kreis, der niemals endet

Egal, in welchem Lebensabschnitt du dich gerade befindest – ob du eine junge Frau bist, die sich erst auf eine mögliche Mutterschaft vorbereitet; ob du schwanger bist und voller Vorfreude, aber auch voller Fragen; ob du in meinem Alter bist, deine Kinder erwachsen werden und das Haus verlassen; ob du schon Großmutter bist, auf Enkel wartest – oder ob du keine Kinder hast – ich möchte dir etwas sagen:

Ja, ein Kreis ist eine perfekte Form – und doch bedeutet diese Perfektion keineswegs, dass es auf unserem Weg durch die verschiedenen Phasen des Lebens immer leicht bergauf geht. Auch in meinem Leben gab es viele Momente voller Zweifel, in denen ich dachte, ich würde nicht mehr aufstehen können, in denen ich erschöpft war.

Ich betrachte mein Leben heute aus einer Art „Lebensmitte“ – ich bin in einem reiferen Alter, und doch glaube ich, dass noch viele wunderbare Jahre vor mir liegen. Wenn ich zurückblicke, vergleiche ich mein Leben oft mit dem Besteigen eines Berges: Kurz bevor man den Gipfel erreicht, fehlt einem oft die Kraft.

Und genau dann denke ich an den Vergleich mit einer Geburt. Falls du selbst geboren hast oder davon gehört hast: In dieser letzten Phase, wenn der Schmerz kaum auszuhalten ist und wir glauben, nicht mehr zu können, wenn wir sagen: „Ich schaffe das nicht mehr“ – genau in diesem Moment wird das Schönste geboren. Unser Kind kommt zur Welt.

So empfinde ich es auch im Leben: Die schwierigen Phasen gehören ebenso dazu wie die schönen. Es geht nicht darum, dass immer alles makellos ist. Es geht darum, dass sich am Ende alles wieder fügt, dass ein Gefühl von Stimmigkeit entsteht. Ich glaube an eine Art Unendlichkeit, die sich zyklisch wiederholt – und daher auch mein Vergleich mit dem Schälen einer Zwiebel.

Mit diesem Text möchte ich dich ermutigen, geduldig zu sein, zu vertrauen und dir selbst den Raum zu geben, auch einmal zu sagen: „Ich habe keine Kraft, ich bin müde, ich weiß nicht, ob ich das schaffe.“

Und ich verspreche dir: Du wirst es schaffen. Du wirst wieder aufstehen. Nicht immer musst du es allein tun – manchmal ist es genauso wichtig, um Hilfe zu bitten. Hab keine Angst, deine Verletzlichkeit zu zeigen. Denn wenn im Winter alles leblos, verlassen und kalt wirkt, wissen wir doch: Im Dunkeln, in der Stille entsteht neues Leben – und der Frühling kommt.

Im Herbst lässt die Natur ihre Kraft los. Die Bäume werfen ihre Blätter ab, alles zieht sich zurück. So ist es auch mit dem Herbst unseres Lebens. Wenn wir unser Leben wie die Natur betrachten – wie die Phasen des Mondes, wie einen immer wiederkehrenden Zyklus – und jede Phase annehmen, dann ist das Erfüllung.

Es ist ein tiefer Wert, der uns in jeder Phase Kraft gibt, sie zu durchschreiten – und uns zu einer vollständigen Annahme unserer selbst führt.

Das wünsche ich dir von Herzen. Wenn du deine Gedanken dazu teilen möchtest, schreib mir gerne in den Kommentaren. Ich freue mich darauf!


Alles Liebe

D☀️

 
 
 

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